(K)eine Lösung für illegale MTB-Trails

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Stellungnahme des BUND Weinheim zu geplanten Mountainbike- und Downhill-Trails am Wachenberg

Der BUND Weinheim stellt sich gegen eine verstärkte touristische Nutzung des Wachenbergs und des vorderen Odenwalds durch Mountainbike und Downhill-Trails

Unsere Wälder sind nicht nur Lebensraum für eine vielfältige, zum Teil gefährdete Tier- und Pflanzenwelt, sie müssen auch uns in vielfältiger Weise dienen: als Holzlieferant, als Sauerstoffspender, zum Schutz von Boden- und Klima und als Raum für unsere Naherholung; ganz schön viel. Und jetzt soll der Wald auch noch als Kulisse für Mountainbiker dienen. Nach dem Zeitungsartikel in den Weinheimer Nachrichten vom 25. Juni soll am Wachenberg aus den illegal eingerichteten Mountainbike-Trails eine legale Veranstaltung werden, ein „Natur- und Bike-Park“ samt Liftanlage! Was das noch mit Natur zu tun haben soll, gar „im Einklang“, wissen wohl nur diejenigen, die sich das ausgedacht haben. Für die Natur und Landschaft am Wachenberg wäre das auf jeden Fall ein schwerer Eingriff und eine erhebliche Beeinträchtigung.

Die Wälder an der Bergstraße zu erleben, wahrzunehmen und zu genießen ist für alle Bürger an der Bergstraße wichtig – Spaziergänger, Familien, Wanderer, Sportler, Naturliebhaber. Die pandemiebedingten Beschränkungen der letzten Monate boten nur wenige Freiräume, die umliegenden Wälder waren eine wohltuende Ausnahme. Diese Monate haben gezeigt, wie wichtig diese Wälder als Lebens- und Freizeitraum sind – aber auch die Grenzen der Freizeitnutzung.

Vertreter einer Einzelsportart und der Tourismuswirtschaft entwickeln jetzt gemeinsame Pläne, den Natur- und Lebensraum Wald in einen Freizeitpark nach ihren Vorstellungen umzuwandeln. Den formulierten Anspruch, die Bedürfnisse aller anderen Waldnutzer und -bewohner und die geltende Gesetzeslage einer einzelnen Freizeitaktivität unterzuordnen lehnen wir ab.

Erosionsschäden durch Mountainbike Trails

Mehr Attraktionen – weniger Konflikte?

Die Erfahrungen mit dem Mountainbike-Streckennetz des Geo-Naturparks und der stark gewachsene Verkehr von E-Bikes haben in den letzten Jahren eines gezeigt: der Versuch, Konflikte durch ‚Entflechtung‘ der Freizeitaktivitäten zu vermeiden ist gescheitert. Mountainbiker fahren die für Sie attraktiveren Strecken, auch wenn extra für Sie parallel vorgesehene Strecken ausgeschildert sind. Das Befahren von schmalen Pfaden ist in den Wäldern Baden-Württembergs seit langem untersagt – aber als ‚SingleTrails‘ besonders attraktiv.

Aus schmalen Pfaden und Wanderwegen werden schnell breite Pisten, wenn sich ‚attraktive‘ Trails als Geheimtipps in Tourenportalen und Onlineforen verbreiten. Auch kleine unbezeichnete Trails werden dank GPS und Smartphone zur Orientierung schnell zur Attraktion und zum nächsten Gefahrenpunkt.

Beispiele und Erlebnisse in der Umgebung sind vermutlich jedem Spaziergänger bekannt. Versuche durch zusätzliche Verbotsschilder oder Umlegung von Wanderwegen Gefahrstellen zu reduzieren zeigen wenig Wirkung oder erreichen sogar das Gegenteil. Nicht befestigte Wege in steilerem Gelände werden schnell durch Stollenbereifung und Bremsmanöver zu Erosionsrinnen. Dringend benötigte Lebens- und Ruheräume für das Wild werden gestört und zerschnitten.

Die Ausweisung eines Bikeparks – mit ausgesprochenen oder gefühlten Privilegien für Biker führt zu erhöhtem Gefahrenpotential oder einem faktischen Betretungsverbot für alle andere Waldnutzer und -bewohner in einem größeren Umfeld. Das lehnen wir ab.

Die Natur zu erleben und aktiv zu genießen ist schön, wichtig und sollte allen Bürgern offen stehen soweit möglich. Aber es muss nicht alles erlaubt werden was technisch möglich ist – Geländewagen, Motocross oder ‚freie Jagd für Alle‘ im Wald sind zurecht undenkbar – und dies sollte auch für Singletrail und Downhill-Raserei gelten.